Einstufung und Kennzeichnung von 3D-Druckharzen (Resine): Unterschied zwischen den Versionen
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Da die [[Glossar#SDB|SDB]]s wichtig für Sicherheit und Gesundheit der Verbraucher sind, die mit dem Material umgehen, sollten diese auch zur Verfügung stehen, obwohl der Verbraucher nicht Teil der Lieferkette ist. Dies gilt auch für die Produktetiketten, die als Auszug aus dem SDB verpflichtend sind, und auf das Gefährdungspotenzial des Materials hinweisen sollen. | Da die [[Glossar#SDB|SDB]]s wichtig für Sicherheit und Gesundheit der Verbraucher sind, die mit dem Material umgehen, sollten diese auch zur Verfügung stehen, obwohl der Verbraucher nicht Teil der Lieferkette ist. Dies gilt auch für die Produktetiketten, die als Auszug aus dem SDB verpflichtend sind, und auf das Gefährdungspotenzial des Materials hinweisen sollen. | ||
Als Minimum für den Verbraucher muss das Etikett die ersten vier [[Sicherheitsdatenblatt|Abschnitte des SDB]] ausweisen, d.h. auf die Gefahren der Inhaltsstoffe und Komponenten hinweisen und daraus die Vorsichtsmaßnahmen ableitet. | Als Minimum für den Verbraucher muss das Etikett die ersten vier [[GHS#Sicherheitsdatenblatt|Abschnitte des SDB]] ausweisen, d.h. auf die Gefahren der Inhaltsstoffe und Komponenten hinweisen und daraus die Vorsichtsmaßnahmen ableitet. | ||
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Nach einer Studie von druckwege.de 2018 sind nur in etwa 25% der Fälle vollständige Sicherheitsdatenblätter (SDBs) der Resine einfach zugänglich.<ref name="druckwege">Safety Data Sheets for 3D Printer UV Resins | Nach einer Studie von druckwege.de 2018 sind nur in etwa 25% der Fälle vollständige Sicherheitsdatenblätter (SDBs) der Resine einfach zugänglich.<ref name="druckwege">Die mittlerweile (2023) fünf Jahre alte Studie "Safety Data Sheets for 3D Printer UV Resins" von DruckWege Deutschland (abgerufen am 23.07.21) ist nicht mehr verfügbar.</ref> | ||
Bei den hier in 2021 und 2022 betrachteten etwa zwei Dutzend Produkten bzw. Produktlinien standen dem Endanwender in zehn Fällen SDBs zur Verfügung, die zumindest in Teilen – in zwei Fällen sogar vollständig - aussagekräftig und verwertbar waren. Viele Hersteller verschweigen die Gesundheitsgefahren, weisen nur auf eine leichte Geruchsbelästigung hin oder versuchen gar, ein Bio-/Öko-Produkt aus ihrem Chemiecocktail zu machen. Der Schutz der firmeneigenen Rezepturen steht im Vordergrund, die genaue Zusammensetzung der verwendeten Gemische wird verschwiegen oder nur angedeutet. | Bei den hier in 2021 und 2022 betrachteten etwa zwei Dutzend Produkten bzw. Produktlinien standen dem Endanwender in zehn Fällen SDBs zur Verfügung, die zumindest in Teilen – in zwei Fällen sogar vollständig - aussagekräftig und verwertbar waren. Viele Hersteller verschweigen die Gesundheitsgefahren, weisen nur auf eine leichte Geruchsbelästigung hin oder versuchen gar, ein Bio-/Öko-Produkt aus ihrem Chemiecocktail zu machen. Der Schutz der firmeneigenen Rezepturen steht im Vordergrund, die genaue Zusammensetzung der verwendeten Gemische wird verschwiegen oder nur angedeutet. | ||
Ein Zitat von Marc Evertz in der o.a. Druckwege-Studie | Ein Zitat von Marc Evertz in der o.a. Druckwege-Studie <ref name="druckwege" />: | ||
<q>Für 3D-Druckharze erwarte ich die gleiche Professionalität, wie ich sie aus anderen Industriebereichen kenne, wenn es um die notwendige Vorsicht von Herstellern geht, die Chemikalien vertreiben, entweder an Unternehmen oder sogar an Verbraucher. 3D-Druck, in diesem Fall SLA-, DLP- und DUP-Anwendungen, nutzen den Polymerisationsprozess durch UV-empfindliche Epoxide oder Acrylate. Beide Materialtypen, gepaart mit vielen reaktiven Stoffen, bergen eine gewisse Gefahr in Bezug auf Kontamination, Kontakt mit Haut, Augen etc. Umso wichtiger ist es, den Anwendern von Harzen zu erklären, was im Falle eines falschen Umgangs mit den Produkten zu tun ist. Ich erwarte von den Harzlieferanten, dass sie ihren Kunden SDS zur Verfügung stellen, in denen Telefonnummern für Vergiftungszentren, Firmendaten als Verantwortlicher für das Produkt und die Einhaltung der länderspezifischen Regeln und Vorschriften, die solche Materialien umsetzen, angegeben sind.</q> | <q>Für 3D-Druckharze erwarte ich die gleiche Professionalität, wie ich sie aus anderen Industriebereichen kenne, wenn es um die notwendige Vorsicht von Herstellern geht, die Chemikalien vertreiben, entweder an Unternehmen oder sogar an Verbraucher. 3D-Druck, in diesem Fall SLA-, DLP- und DUP-Anwendungen, nutzen den Polymerisationsprozess durch UV-empfindliche Epoxide oder Acrylate. Beide Materialtypen, gepaart mit vielen reaktiven Stoffen, bergen eine gewisse Gefahr in Bezug auf Kontamination, Kontakt mit Haut, Augen etc. Umso wichtiger ist es, den Anwendern von Harzen zu erklären, was im Falle eines falschen Umgangs mit den Produkten zu tun ist. Ich erwarte von den Harzlieferanten, dass sie ihren Kunden SDS zur Verfügung stellen, in denen Telefonnummern für Vergiftungszentren, Firmendaten als Verantwortlicher für das Produkt und die Einhaltung der länderspezifischen Regeln und Vorschriften, die solche Materialien umsetzen, angegeben sind.</q> | ||
== Gesundheitsgefahren durch Resine == | == Gesundheitsgefahren durch Resine == | ||
Betrachtet man die in allen Harzen vorhandenen vier Komponenten, die man nicht ersetzen kann, so ergibt sich ein allgemeines Gefahren- und Wirkungsspektrum, das je nach Anwendungsbereich variieren kann. Das entstehende Produkt ist in der Regel unproblematisch. | Betrachtet man die in allen Harzen vorhandenen [[Resinkomponenten|vier Komponenten]], die man nicht ersetzen kann, so ergibt sich ein allgemeines Gefahren- und Wirkungsspektrum, das je nach Anwendungsbereich variieren kann. | ||
# Monomere | |||
# Reaktivverdünner | |||
# Oligomere | |||
# Photoinitiatoren | |||
Das entstehende Produkt ist in der Regel unproblematisch. | |||
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|+ Gefahren- und Wirkungsspektrum | |||
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! Wirkort !! Symptom !! GHS-Piktogramm !! abgeschwächt | |||
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| Haut || Reizungen, Rötungen, allergische Reaktionen || rowspan="2"|[[Datei:GHS05.png]] || rowspan="4"|[[Datei:GHS07.png]] | |||
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| Augen || Reizungen, Rötungen, Tränenbildung | |||
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| Mund/Rachen || Wundsein, Rötung || rowspan="2"|[[Datei:GHS08.png]] | |||
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| Atmungsorgane || Husten, Keuchen, Atemnot (Enge in der Brust) | |||
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| Umwelt || Langfristige Schädigung von Wasserorganismen || [[Datei:GHS09.png]] || ''kein Piktogramm'' | |||
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== Sicherheits- und Gefahrenhinweise ausgewählter Resine == | == Sicherheits- und Gefahrenhinweise ausgewählter Resine == | ||
Wünschenswert für die Verbraucher wäre ein leicht zugängliches Datenblatt mit zumindest den o.a. Merkmalen, weiterhin ein Produkt mit verwertbarer Etikettierung. | Wünschenswert für die Verbraucher wäre ein leicht zugängliches Datenblatt mit zumindest den o.a. Merkmalen, weiterhin ein Produkt mit verwertbarer Etikettierung. | ||
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Es wurde immer auf der Herstellerseite nach den Datenblättern gesucht, nie über den Support angefordert. Inwieweit Distributoren vom Hersteller erhaltene Datenblätter (Stichwort "Lieferkette") für den Verbraucher online stellen oder beim Erwerb zur Verfügung stellen, wurde nicht überprüft. | Es wurde immer auf der Herstellerseite nach den Datenblättern gesucht, nie über den Support angefordert. Inwieweit Distributoren vom Hersteller erhaltene Datenblätter (Stichwort "Lieferkette") für den Verbraucher online stellen oder beim Erwerb zur Verfügung stellen, wurde nicht überprüft. | ||
Ausgesucht wurden nur Resine für den Hobby-3D-Druck, | Ausgesucht wurden fast nur Resine für den Hobby-3D-Druck, ganz wenige für die Schmuckherstellung oder den Dentalbereich. | ||
{| class="wikitable" | {| class="wikitable" | ||
! Kategorie 0 | ! Kategorie 0 | ||
| Kein Sicherheitsdatenblatt, keine oder nahezu keine Hinweise online | | Kein Sicherheitsdatenblatt, keine oder nahezu keine Hinweise online | ||
* [[Wanhao (China)]] | |||
* [[Flashforge (China)]] | |||
* [[XYZPrinting (Taiwan)]] | |||
* [[Creality (China)]] | |||
* [[LONGER (China)]] | |||
* [[Anycubic (China)]] | |||
* [[ELEGOO (China)]] | |||
* [[DruckWege (Niederlande)]] | |||
|- | |- | ||
! Kategorie 1 | ! Kategorie 1 | ||
| Kein Sicherheitsdatenblatt, H- und P-Sätze online | | Kein Sicherheitsdatenblatt, H- und P-Sätze online | ||
* [[Unicorn-Resin (Deutschland)]] | |||
* [[DruckWege (Deutschland)]] | |||
* [[3DJAKE (Österreich)]] | |||
|- | |- | ||
! Kategorie 2 | ! Kategorie 2 | ||
| Sicherheitsdatenblatt vorhanden aber unvollständig | | Sicherheitsdatenblatt vorhanden aber unvollständig | ||
* [[Photocentric (United Kingdom)]] | |||
* [[AmeraLabs (Litauen)]] | |||
* [[eSUN (China)]] | |||
* [[Prima Creator (Schweden)]] | |||
* [[SIRAYA Tech (USA)]] | |||
* [[3D-basics (Österreich)]] | |||
* [[Zortrax (Polen)]] | |||
* [[FormFutura B.V. (Niederlande)]] | |||
* [[Formlabs (USA)]] | |||
|- | |- | ||
! Kategorie 3 | ! Kategorie 3 | ||
| Vollständiges Sicherheitsdatenblatt | | Vollständiges Sicherheitsdatenblatt | ||
* [[Zortrax (Polen)]] | |||
* [[Prima Creator (Schweden)]] | |||
* [[FormFutura B.V. (Niederlande)]] | |||
* [[DruckWege (Deutschland)]] | |||
|- | |||
| Keine Kategorie | |||
| Sicherheitsdatenblätter explizit nur an verifizierte Kunden | |||
* [[Monocure 3D (Australien)]] | |||
|} | |} | ||
== Siehe auch == | == Siehe auch == | ||
[[Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen (Resine)]] | [[Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen (Resine)]] | ||
Aktuelle Version vom 25. August 2023, 06:14 Uhr
Verbraucherinteresse
Da die SDBs wichtig für Sicherheit und Gesundheit der Verbraucher sind, die mit dem Material umgehen, sollten diese auch zur Verfügung stehen, obwohl der Verbraucher nicht Teil der Lieferkette ist. Dies gilt auch für die Produktetiketten, die als Auszug aus dem SDB verpflichtend sind, und auf das Gefährdungspotenzial des Materials hinweisen sollen. Als Minimum für den Verbraucher muss das Etikett die ersten vier Abschnitte des SDB ausweisen, d.h. auf die Gefahren der Inhaltsstoffe und Komponenten hinweisen und daraus die Vorsichtsmaßnahmen ableitet. Also:
- Piktogramme,
- Signalwort,
- H- und P-Sätze,
- Bestandteile,
- Identifikations-Nummer.
3D-Druckharze und GHS
Nach einer Studie von druckwege.de 2018 sind nur in etwa 25% der Fälle vollständige Sicherheitsdatenblätter (SDBs) der Resine einfach zugänglich.[1]
Bei den hier in 2021 und 2022 betrachteten etwa zwei Dutzend Produkten bzw. Produktlinien standen dem Endanwender in zehn Fällen SDBs zur Verfügung, die zumindest in Teilen – in zwei Fällen sogar vollständig - aussagekräftig und verwertbar waren. Viele Hersteller verschweigen die Gesundheitsgefahren, weisen nur auf eine leichte Geruchsbelästigung hin oder versuchen gar, ein Bio-/Öko-Produkt aus ihrem Chemiecocktail zu machen. Der Schutz der firmeneigenen Rezepturen steht im Vordergrund, die genaue Zusammensetzung der verwendeten Gemische wird verschwiegen oder nur angedeutet.
Ein Zitat von Marc Evertz in der o.a. Druckwege-Studie [1]:
Für 3D-Druckharze erwarte ich die gleiche Professionalität, wie ich sie aus anderen Industriebereichen kenne, wenn es um die notwendige Vorsicht von Herstellern geht, die Chemikalien vertreiben, entweder an Unternehmen oder sogar an Verbraucher. 3D-Druck, in diesem Fall SLA-, DLP- und DUP-Anwendungen, nutzen den Polymerisationsprozess durch UV-empfindliche Epoxide oder Acrylate. Beide Materialtypen, gepaart mit vielen reaktiven Stoffen, bergen eine gewisse Gefahr in Bezug auf Kontamination, Kontakt mit Haut, Augen etc. Umso wichtiger ist es, den Anwendern von Harzen zu erklären, was im Falle eines falschen Umgangs mit den Produkten zu tun ist. Ich erwarte von den Harzlieferanten, dass sie ihren Kunden SDS zur Verfügung stellen, in denen Telefonnummern für Vergiftungszentren, Firmendaten als Verantwortlicher für das Produkt und die Einhaltung der länderspezifischen Regeln und Vorschriften, die solche Materialien umsetzen, angegeben sind.
Gesundheitsgefahren durch Resine
Betrachtet man die in allen Harzen vorhandenen vier Komponenten, die man nicht ersetzen kann, so ergibt sich ein allgemeines Gefahren- und Wirkungsspektrum, das je nach Anwendungsbereich variieren kann.
- Monomere
- Reaktivverdünner
- Oligomere
- Photoinitiatoren
Das entstehende Produkt ist in der Regel unproblematisch.
Sicherheits- und Gefahrenhinweise ausgewählter Resine
Wünschenswert für die Verbraucher wäre ein leicht zugängliches Datenblatt mit zumindest den o.a. Merkmalen, weiterhin ein Produkt mit verwertbarer Etikettierung.
Die ausgewählten Resine einiger Hersteller wurden, je nach Ausmaß der Gefahren- und Sicherheitshinweise, in vier willkürliche Kategorien eingeteilt, gestaffelt nach dem Umfang der bereitgestellten Informationen.
Es wurde immer auf der Herstellerseite nach den Datenblättern gesucht, nie über den Support angefordert. Inwieweit Distributoren vom Hersteller erhaltene Datenblätter (Stichwort "Lieferkette") für den Verbraucher online stellen oder beim Erwerb zur Verfügung stellen, wurde nicht überprüft.
Ausgesucht wurden fast nur Resine für den Hobby-3D-Druck, ganz wenige für die Schmuckherstellung oder den Dentalbereich.
| Kategorie 0 | Kein Sicherheitsdatenblatt, keine oder nahezu keine Hinweise online |
|---|---|
| Kategorie 1 | Kein Sicherheitsdatenblatt, H- und P-Sätze online |
| Kategorie 2 | Sicherheitsdatenblatt vorhanden aber unvollständig |
| Kategorie 3 | Vollständiges Sicherheitsdatenblatt |
| Keine Kategorie | Sicherheitsdatenblätter explizit nur an verifizierte Kunden |
Siehe auch
Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen (Resine)



